In die Freiheit gekrochen

Archäologen legen Glienicker Fluchttunnel von 1963 frei

Von Stefan Zwahr

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Glienicke - Die Geschichte der Familie Aagaard aus Glienicke ist bekannt. Mit ihrer erfolgreichen Flucht 1963 aus der DDR durch einen selbst gegrabenen Tunnel wurden sie berühmt. Im 50. Jahrestag des Mauerbaus wird nicht nur diese Story, sondern auch der Tunnel wieder ausgegraben.
Durch diesen waren in der Nacht zum 11. März 1963 gleich 13 Menschen in den Westen gekrochen. Der damals elfjährige Detlef und seine nun 91-jährige Mutter Lucie wohnen seit sechs Jahren wieder in ihrem alten Haus - und verfolgten den Trubel auf dem Nachbargrundstück.

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Dort - auf dem Gelände der Ottostraße 6 - machte sich Torsten Dressler gestern selbst das schönste Geburtstagsgeschenk. Mit seinem Team von Archäologen, Technikern und Zeichnern legte der Inhaber vom Archäologiebüro ABD Teile des Tunnels frei. "Ein bewegender Moment. Mir ging das Herz auf", so Dressler. Auch Detlef Aagaard war berührt.

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Die Ausgrabungen erfolgten Im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege. "50 Jahre nach dem Mauerbau sollen ehemalige Grenzanlagen dokumentiert werden", begründete Dressler die Aktion, an der auch die Gemeinde interessiert ist. "Der Punkt Mauer ist für uns eigentlich der einzige touristische Fakt", bemerkte Bürgermeister Hans Günther Oberlack (FDP).

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Archäologe Torsten Dressler ist selbst in Glienicke ansässig und wußte von der Geschichte des Aagaard-Tunnels. Da das Grundstück unbebaut und die in Baden-Württemberg lebende Eigentümerin ihr Einverständnis gab, stand den archäologischen Ausgrabungen nichts mehr im Wege. Dressler durchforstete zuvor Archive, befragte Anwohner und Zeitzeugen. Auch geophysikalische Untersuchungen hatte es gegeben. Mit den technischen Mitteln konnte die Suche aber nicht eingegrenzt werden, der Tunnel war einfach zu tief unter der Oberfläche. Dressler ließ sich nicht entmutigen. "Ich wußte, dass sich die Arbeiten hier lohnen, da auf engstem Raum mehrere historische Relikte komprimiert sind. Solche architektonischen Funde gibt es auf anderen unbebauten Grundstücken nicht." Und tatsächlich: Mit dem ersten großen Baggergriff stießen die Fachleute auf Verfärbungen - ausgerechnet an dieser Stelle waren die verwendeten Balken und Bretter noch erhalten - konnten Spuren der Grenze, das Fundaments eines Wachturms, Elektroleitungen für Lichttrassen und Postentürme sowie Überreste des Ehemaligen Hauses, das für den Todesstreifen eingeebnet wurde, freigelegt werden.

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Ziel war es nicht, den Tunnel in seiner gesamten Länge freizulegen. "Wir können das auch so dokumentieren, dass er hier war", so Dressler. Am Montag wird der Fund sogar wieder verschüttet. Der Erhaltungszustand lässt nichts anderes zu. Die Fundamente von Haus und Grenzturm bleiben bis zum Jahrestag am 13. August freigelegt.